20 Jahre Viagra

Wann ist ein Mann ein Mann? Spätestens wenn es im Bett nicht mehr klappt wie gewünscht stellen sich Männer diese Frage. Vor allem, da zunehmend auch 30-35-Jährige von dem Problem betroffen sind.

Es gibt Themen, über die Mann nicht gerne spricht. Erektile Dysfunktion (Impotenz) ist so ein Thema. Wenn es sexuell nicht so läuft, wie es sollte, und die eigenen Ansprüche oder die der Partnerin an ein erfülltes Sexualleben unerfüllt bleiben, stellt man(n) sich schnell die Sinn-Frage. „Für Männer war Viagra eine sexuelle Revolution“, sagt Frank Sommer, Professor für Männergesundheit am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Zuvor gab es kein orales Medikament, das eine Erektion hervorrufen konnte – nur Spritzen, Vakuumpumpen und Implantate.  

1998 brachte der US-Pharmakonzern Pfizer Viagra auf den Markt. Ursprünglich suchten die Forscher nach einem Medikament gegen Herzerkrankungen. Der von ihnen entwickelte Wirkstoff Sildenafil floppte zwar im Brustbereich, dafür aber hatte er ungeahnte Folgen in der Sexualmedizin. Die gefäßerweiternde Substanz aus der Gruppe der PDE-5-Hemmer sorgt für eine verbesserte Durchblutung. Sie erhöht die Potenz und wirkt schnell bei Erektionsstörungen.

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Der ganze Hype um Viagra ist inzwischen abgeklungen, doch die Wirkung des blauen Wundermittels ist geblieben. Einfach eine Tablette nehmen – und schon ist man für ein paar Stunden leistungsfähig. Sildenafil verhilft etwa 90 Prozent der Männer mit akuten Problemen zur Erektion. Vorausgesetzt, die männliche Libido wird stimuliert. Ohne sexuelle Erregung funktioniert auch Viagra nicht. Man kann nicht eine Tablette schlucken und hat dann eine Erektion. Deshalb scheitern auch solche Männer mit Viagra, die sich von ihrer Partnerin sexuell zurückziehen und nur eine Ausrede suchen. Trotzdem: Viagra ist für viele Männer eine wertvolle Hilfe!

Erektionsstörungen? Wer ist davon betroffen?

In Deutschland sind ca. 7 Millionen Männer von Erektionsstörungen betroffen. Mittlerweile treten schon bei 30-35 Jährigen immer häufiger organisch bedingte Erektionsstörungen auf. Das liegt vor allem am ungesunden Lebensstil. Männer bewegen sich weniger, ernähren sich schlechter, haben mehr Stress. 

Kaum ein Geheimnis wird von Männern so streng gehütet wie eine Potenzstörung. Sie verstummen, wenn sie nicht mehr können. Ein paarmal gescheitert, schon gerät Mann in eine Abwärtsspirale. Ein Teufelskreis, in dem die Libido schwindet, Psyche und Partnerschaft leiden. Seit es aber Viagra gibt, stellen sich Betroffene sehr viel früher ihrer mangelnden Standfestigkeit. Früher haben Männer im Durchschnitt zehn bis 20 Jahre gewartet, bis sie wegen Potenzstörungen zum Arzt gegangen sind. Heute warten die meisten nicht länger als ein Jahr. 

Wer an Impotenz leidet, sollte nicht nur die Symptome "bekämpfen" und eine Tablette schlucken. Die Lösung des Problems sei in vielen Fällen einfach – gesund leben!

Viagra kann jedoch nur wirken, wenn die Nerven im Penis intakt sind. Auch darf die Potenzmuskulatur nicht zu schwach oder defekt sein. Wenn es allerdings nur darum geht, dass die Durchblutung des männlichen Glieds mangelhaft ist, hilft das Mittel in den meisten Fällen. Viagra kann aber auch eine Art Starthelfer sein, der verunsicherten Männern das befriedigende Gefühl vermitteln kann, dass wieder was geht. Der Teufelskreis aus Versagensängsten, Dysfunktion und Depression werde durchbrochen.

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Der Gang zum Arzt ist indes nur der erste Schritt. Das Ausstellen eines Rezepts führt in der Regel nicht zu einer Heilung und verhilft bei Weitem nicht jedem Mann zu einer Erektion. Potenzprobleme könnten auch ein Hinweis auf andere, schwerwiegende Erkrankungen sein. Da die Gefäße im Penis vom Durchmesser her die kleinsten im Körper sind (ein bis zwei Millimeter). Gefäßverengungen fangen beim Mann oft zuerst am Geschlechtsorgan an. 

Wer nun glaubt, mit einer Potenzpille täglich topfit zu sein, irrt. Gesunde Ernährung, viel Bewegung und weniger Stress würden gegen Gefäßverengungen effektiv helfen und Potenzstörungen vorbeugen.

2013 lief Pfizers Patent auf Sildenafil ab. Seitdem boomt der Markt mit Konkurrenzprodukten zu Viagra. In Apotheken kostet das Original, je nach Dosierung, rund 20 Euro pro Tablette, während verschreibungspflichtige Nachahmerpräparate (Generika) für vier bis fünf Euro zu haben sind. Wesentlich preisgünstiger sind da Versandapotheken die Viagra und andere PDE-5-Hemmer sogar rezeptfrei anbieten.

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