Erektionsprobleme: Was sagt eine Ärztin

Zusammenfassung: Handelt es sich schon um Erektionsprobleme, wenn es dreimal hintereinander nicht klappt? Und kann ich dann einfach Viagra im Internet kaufen  oder gibt es auch andere Hilfen? Eine Andrologin beantwortet Fragen, die man selbst dem Arzt lieber nicht stellen mag.

Impotenz ist immer noch ein Tabuthema, doch mindestens jeder fünfte Mann wird irgendwann in seinem Leben damit konfrontiert, dass der Penis nicht so funktioniert, wie Mann es eigentlich möchte. Die Angst davor, selbst betroffen zu sein ist groß, denn immer noch setzen Männer Potenz mit Männlichkeit gleich und mindestens genauso groß ist die Angst, über das Problem zu sprechen – sogar mit dem Arzt.

Für uns beantwortet Kornelia Hackl, Ärztin für Urologie, Andrologie und Sexualmedizin die wichtigsten Fragen der Männer zu Impotenz, medizinisch erektile Dysfunktion.

Bin ich schon impotent?

Kornelia Hackl: Nein, wenn das vereinzelt auftritt, handelt es sich nicht um Impotenz. Erst wenn es über einen längeren Zeitraum von sechs Monaten immer wieder dazu kommt, handelt es sich vermutlich um erektile Dysfunktion. Aber jeder Mann ist anders, deshalb halte ich wenig von festen Zahlen und Zeitspannen. Bei wiederholtem Auftreten sollten Sie jedoch einen Arzt aufsuchen, damit die Ursachen abgeklärt werden.

Hilft mir Viagra wirklich?

Hackl: Zuerst einmal wird der Arzt die Ursache der Impotenz abklären. Denn sie kann immer auch ein Warnsignal oder Frühbote einer organischen Erkrankung sein, etwa von Gefäß- und Herz-Kreislauferkrankungen. Erklären Sie dem Arzt Ihr Problem, zusätzlich wird er Fragen stellen zur Krankengeschichte, zum allgemeinen Gesundheitszustand und zur Medikamenteneinnahme.

Das ist wichtig, denn die angesprochenen Mittel gegen Impotenz, die PDE-5-Hemmer oder auch PDE-5-Inhibitoren, sind zwar gut wirksam und verträglich, allerdings gibt es auch Nebenwirkungen und Kontraindikationen. Kontraindikationen sind etwa ein sehr hoher oder ein sehr niedriger Blutdruck, der sich mit Medikamenten nicht einstellen lässt, ein Herzinfarkt oder Schlaganfall innerhalb der letzten sechs Monate, ein blutendes Magengeschwür oder die Einnahme von Nitro-Präparaten – etwa bei bestimmten Herzkrankheiten.

In vielen Fällen lässt sich mit der Einnahme von PDE-5-Inhibitoren eine zufriedenstellende Erektion erreichen.

Kann ich Viagra einfach so kaufen?

Hackl: Nein, auf keinen Fall. Das größte Risiko dabei ist, das in zahlreichen Untersuchungen und Tests nachgewiesen wurde: Viele dieser Medikamente enthalten nicht das, was draufsteht. Die Bezeichnungen sind kein Garant dafür, dass auch dieser Wirkstoff drin ist – ganz abgesehen von dem Risiko der Nebenwirkungen und Kontraindikationen, falls es sich tatsächlich um einen PDE-5-Hemmer handelt.

Bestellen übers Internet, weil es billiger ist, muss jetzt auch nicht mehr sein. Für zwei der vier zugelassenen PDE-5-Hemmer – rezeptfreies Viagra und Cialis ohne Rezept – sind die Patente ausgelaufen, beide gibt es jetzt als Generika. Da kostet dann eine Tablette knapp drei Euro und nicht mehr 15, wie früher.

Ist Impotenz ein Altersproblem?

Hackl: Alter ist tatsächlich ein „Risikofaktor“. Ein 90-Jähriger, mag er noch so fit sein, wird nicht über die Potenz eines 19-Jähriger verfügen. Ein gewisser Rückgang ist also ganz natürlich und der Zeit geschuldet.

Allerdings gibt es verschiedene Gründe, warum Impotenz bei jüngeren Männern eintreten kann. Das sind etwa in der Gruppe der 20- und 30-Jährigen vor allem psychogene Gründe – also ein traumatisches erstes Mal, sexuelle Mythen, negative Erfahrungen, die alle mehr oder weniger in Versagensangst münden.

Bei älteren Männern spielen häufiger organische Ursachen eine Rolle, wobei dann auch Versagensangst dazukommen kann, wenn es öfter nicht klappt. Faktoren, die den Gefäßen schaden – Übergewicht, Diabetes, Bluthochdruck und zu hohe Blutfettwerte – also die „silent Killers“, die zu Herzinfarkt und Schlaganfall führen, können sich mit Erektionsstörungen als Vorboten ankündigen. Erektionsstörungen können also Frühsymptome einer generalisierten Gefäßerkrankung sein. Deshalb spreche ich auch vom Penis als „Wünschelrute des Herzens“.

Für eine ausreichend harte Erektion muss der Blutzufluss in der Pensiarterie deutlich steigen! Bei dieser Anforderung führen Gefäßverkalkungen in diesem Blutgefäß zu ungenügender Erektion oder sie bleibt aus. Deshalb nochmals: Impotenz ist nicht nur für sich ein belastendes Problem, sondern kann immer auch ein Frühbote von ernsthaften Krankheiten sein und sollte von einem Arzt abgeklärt werden.

Gibt es Naturheilmittel die besser wirken?

Hackl: Ja, körperliche Aktivität! Viele Studien zeigen, dass körperliche Aktivität auch zu einer stärkeren Durchblutung des Beckenbodens führt und damit die Potenz verbessert. Auch Abnehmen hat nachweislich einen positiven Effekt.

Zusätzlich kann die Aminosäure L-Arginin sich positiv auswirken. Der Körper verstoffwechselt sie zu Stickoxid (NO), das nachweislich die Durchblutung verbessert und die Gefäße weitet. Deshalb wird L-Arginin übrigens oft im Leistungssport genutzt.

Vor Heilkräutern aus dem Internet, die gegen Impotenz helfen sollen, rate ich jedoch ab, die Mischungen enthalten manchmal Spuren von nicht angegebenen Wirkstoffen und können damit unberechenbare Wirkungen und Nebenwirkungen haben. Die Heilkräuter selbst sind letztendlich kaum effektiv.

Mein Rat für Männer, die befürchten, ein Potenzproblem zu haben: Gehen Sie zum Arzt, lassen Sie abklären, ob tatsächlich eine erektile Dysfunktion vorliegt und falls ja, ob womöglich organische Ursachen zugrunde liegen. Sie lassen sich gezielt behandeln, wodurch nicht nur die Potenz wieder besser wird, sondern vor allem auch die Gefahr eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls gesenkt wird. Ursächliche Erkrankungen können somit frühzeitig erkannt und gezielt behandelt werden. Ziel ist es, die Potenz zu verbessern und mögliche ernsthafte Folgen einer generalisierten Gefäßerkrankung mit Herzinfarkt oder Schlaganfall zu vermeiden.

Verwandte Beiträge

Potenzmittel ABC

Diskussion

Kommentar schreiben ist nicht möglich.

Kommentare sind geschlossen.